Ein Thema, das bei der inhaltlichen Konzeption jeder Website zur Sprache kommt. Vorne weg gesagt: Eine richtige oder falsche Antwort gibt es hier nicht. In diesem Artikel gebe ich ein paar Tipps dazu, wie du die passende Ansprache für deine Website herausfindest.

Es lohnt sich bei diesem Thema eine klare Entscheidung zu treffen, denn die Ansprache sollte möglichst einheitlich auf den unterschiedlichen Kommunikationskanälen verwendet werden. Bevor ich dir nachher erkläre, welche Aspekte du bedenken solltest, ein paar Überlegungen zu der Frage: Welche Gefühle bzw. welches Verhalten wird mit dem „Du“, welches mit dem „Sie“ oft verbunden?

Bestehende „Vorurteile“

Du steht für

  • Vertrautheit
  • Verbundenheit
  • Modern

aber auch

  • weniger Respekt
  • weniger Kompetenz
  • „Stammtischniveau“ – der Preis kann gedrückt werden

 

Sie steht für

  • Respekt
  • Kompetenz
  • Seriosität

aber auch

  • Distanz
  • Altmodische Einstellung
  • Emotionslos

 

Für mich sind es Vorurteile, denn Pauschalisierung ist grundsätzlich blöd und beide Ansprachen haben ihre Berechtigung – keine ist besser oder schlechter. Auch kann man meiner Meinung nach durch die verwendete Ansprache keine Rückschlüsse auf Kompetenz oder Seriosität ziehen. Dennoch müssen diese Ansichten, zum Teil entstanden aus Kultur und Tradition, ernstgenommen werden, da sie in unseren Köpfen tief verankert sind.

Irgendwann als Kind sagt man dir, dass man Fremde mit „Sie“ anspricht. In der Familie, die Geborgenheit und Vertrautheit ausstrahlt, ist das „Du“ normal. Gegenüber Lehrern und anderen Autoritätspersonen sollst du aber „Sie“ sagen. Also redest du alle Erwachsenen, vor denen du zugleich Respekt haben sollst, mit „Sie“ an.

Noch vor ein paar Jahren wurde eine Du-Ansprache auf der Website nicht in Betracht  gezogen. Was früher selbstverständlich war, ist durch die veränderten Kommunikationsformen des Internets im Umbruch. Das “Du” im Social Web beispielsweise wird von vielen als normal empfunden (Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn ausgenommen, hier wird meist mit „Sie“ kommuniziert).

Ansprache in Social Media

Normal empfunden heißt aber nicht automatisch, dass das „du“ im Social Web von allen gewünscht ist.

Leider habe ich bei meiner Recherche für diesen Artikel keine aktuellen Statistiken zu diesem Thema gefunden. Gut, ich könnte natürlich noch tiefer graben, aber da es sich nur um einen Blogartikel und keine Doktorarbeit handelt, habe ich irgendwann aufgehört zu suchen ;)

Eine Statistik von Statista aus dem Jahre 2011 beschäftigt sich mit der Frage: Wie möchten Sie in Social Media von Unternehmen angesprochen werden? und liefert folgende Daten:

Wie möchten Sie in Social Media angesprochen werden?

Bild: Contentkiste, Datenquelle: Statista

 

43 % der befragten Social-Media-Nutzer ist die Ansprache egal, 13 % möchten geduzt werden und 44 % wünschen sich das „Sie“. Da die Statistik bereits 4 Jahre alt ist und nur 1000 Social-Media-Nutzer befragt wurden, ist sie leider nicht so aussagekräftig. Ich habe sie dennoch hier erwähnt, da ich überrascht war, wie viele sich sogar in Social Media das „Sie“ gewunschen haben.

Wie wirkt sich die Ansprache in Social Media auf die Ansprache auf der Website aus?

Wenn du deine Kunden in Social Media siezt, stellt sich für dich die Frage nach der Ansprache auf der Website nicht – hier wird klar ein „Sie“ ebenfalls auf der Website erwartet. Wenn du in Social Media auf deinen Unternehmenskanälen mit „Du“ kommunizierst sind deine Besucher, die über Social-Media-Kanäle auf deine Website kommen, für ein „Du“ auf der Website aufgeschlossener. Wer im „echten Leben“ zum duzen übergegangen ist, wird das auch auf Dauer beibehalten.

Allerdings glaube ich, dass sich nur Einzelfälle durch die wechselnde Ansprache gestört fühlen.

Die Ansprache in Social Media ist ein Aspekt, den du in deine Entscheidungsfindung mit einbeziehen solltest. Hier noch weitere Faktoren:

Zielgruppe

Das ist für mich der wichtigste Faktor.

Richtet sich dein Angebot an andere Selbständige oder Solopreneure, wird das „Du“ eher akzeptiert. Sprichst du Unternehmen an, wird es schwieriger. Hier ist Siezen noch weit verbreitet.

Des Weiteren spielt auch die Branche eine Rolle. Bei Banken und Versicherungen zum Beispiel wird fast immer eine Ansprache mit „Sie“ genutzt. Die kreativen Berufe sind freigiebiger mit dem „Du“.

Doch du solltest dich nicht nach anderen richten, sondern deine eigene Zielgruppe ins Visier nehmen:

  • Mit welcher Ansprache fühlen sich deine Wunschkunden wohler?
  • Welche Erwartungshaltung haben Sie?
  • Wie alt sind sie?
  • Sind sie internetaffin?
  • Gibt es eine eindeutige Aussage?
  • Wenn nicht, wären mehr vom „Du“ oder vom „Sie“ irritiert?

Die gesamte Website richtet sich nach der Zielgruppe aus – Stil, Sprache, Medieneinsatz, Aufbereitung der Informationen etc. Passt „Du“ oder „Sie“ besser ins Gesamtbild?

Was passt besser zu dir?

Nun geht es um dich selbst. Geht dir das „Du“ leicht über die Lippen, oder fühlst du dich wohler, wenn du mit Kunden per „Sie“ kommunizierst? Wie willst du dich positionieren?

Hier ein paar Fragestellungen als Gedankenstütze:

 

Du-oder-Sie-auf-der-Website-Was-passt-zu-dir?

 

Und was haben deine Ziele damit zu tun?

Ziele

Die Zielsetzung spielt auch eine wichtige Rolle. Wenn dein Business gerade im Umbruch ist oder du dich umorientieren möchtest, kommt erneut die Frage nach einem möglichen Wechsel der Anrede auf. Dieses Beispiel wurde neulich in unserer Facebook-Gruppe zur Konzeption und Inhalten von Websites für Selbständige diskutiert.

Wer ein klares Ziel verfolgt, kann seine Entscheidungen daran orientieren. Doch gerade in einer Umbruchphase, wenn du noch nicht so genau weißt, wie z. B. ein neuer Geschäftszweig anläuft, bist du dir vielleicht unsicher und möchtest bestehende Kunden nicht vergraulen.

Nach meiner Einschätzung sind bestehende Kunden nicht das Problem – sie kennen dich bereits und werden wegen einem Wechsel der Anrede auf der Website nicht den Dienstleister wechseln. Verstehen werden es vermutlich nicht alle, aber wenn du dir sicher bist – zieh es durch.

Auswirkungen hat ein Wechsel eher auf die Neukundengewinnung. Hier hilft, mit der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen, um Reaktionen und Meinungen einzuholen. Das funktioniert auf vielerlei Weisen, z. B. über Social Media, Newsletter, Communities oder auch im direkten Gespräch.

Das direkte Ansprechen im Gespräch trauen sich viele nicht. Doch manchmal ergibt es sich aus der Situation heraus, und du kannst so wichtige Erkenntnisse gewinnen.

„Darf ich Sie/dich noch kurz was fragen? Ihre/Deine Meinung interessiert mich. Momentan sieze ich auf meiner Website. Würde Sie/dich die Änderung zum duzen stören oder sogar mehr ansprechen?

„Hätte das duzen auf der Website Sie/dich gestört, als Sie/du zum ersten Mal dort warst? Hätte das die Entscheidung für mich als Dienstleister beeinflusst?“.

 Praxisbeispiele

In meiner Facebook-Gruppe habe ich eine kleine Umfrage gemacht:

Du-oder-Sie-auf-der-Website-Umfrage

Meine Facebook-Gruppe richtet sich an Selbständige. Von 19 Teilnehmern der Umfrage sind 10 glücklich mit dem „Du“, 6 siezen und wollen das auch die nächste Zeit beibehalten. 3 überlegen einen Wechsel zum „Du“. Und was ich bezeichnend finde: Keiner hat angegeben, dass er den Wechsel zum „Du“ bereut hat.

Nachfolgend habe ich ein paar Praxisbeispiele aus meiner Facebook-Gruppe aufgelistet. Danke, dass ich eure Meinung veröffentlichen darf :)

Katharina Hirsch von Web und Wissen:

Ich möchte gerne mit meinen Artikeln so eine „komm her, wir setzen uns gemütlich hin und ich erklärs dir“-Stimmung haben. Das krieg ich mit Sie nicht hin. Daher sind auch meine Newsletter per Du. Ausnahme: wenn eine Anfrage kommt mit Sie, dann antworte ich auch erstmal so.

Petra Schlitt von petraschlitt.de:

Bei meinem Thema „Um die alten Eltern kümmern“ wollte ich nicht als unnahbare Expertin auftreten sondern als große Schwester, die man alles fragen kann und die einen auch mal in den Arm nimmt…

Iris Brucker von Brucker Solutions:

Auf meiner Webseite sieze ich. Momentan bin ich noch davon überzeugt, dass meine Zielgruppe das so wünscht ;-) in Blogartikeln duze ich allerdings bzw. schreibe in der Mehrzahl. Grundsätzlich finde ich diese Entscheidung sehr schwer. Grade, wenn man auf Facebook duzt und Blogartikel teilt. Dann fühlt es sich komisch an, wenn im Blog plötzlich gesiezt wird. Ich bin auch immer wieder am Nachdenken über dieses Thema …

Frank Katzer schreibt auf seinem Blog Internet-Praxistipps über seinen Wechsel zum Du:

folgendes hat mich dazu bewogen, diese umstellung durchzuführen:

– eine persönlichere ansprache, weil meine blog-inhalte in zukunft auch etwas persönlicher werden
– da meine blogartikel nicht nur technisches darstellen, sondern dich auch persönlich voranbringen sollen, ist mir das „sie“ zu distanziert
– viele der kommentare oder emails, die ich bekomme, sind eh per „du“

Ihren interessanten Weg vom Sie zum Du hat Ulrike Zecher ebenfalls anlässlich unserer Gruppen-Diskussion verbloggt: „Du oder Sie – welche Kundenansprache passt„.

Ich selbst halte es hier auf der Contentkiste wie Katharina Hirsch und duze überall. Das Prinzip der gespiegelten Anrede (wenn mich jemand mit Sie anspricht, antworte ich mit Sie, bei du mit du) funktioniert bei mir sehr gut. Auf unserer Firmenseite, die sich eher an unsere lokale Zielgruppe richtet, siezen wir. Diese Website wird allerdings demnächst erneuert, dann kommt das Thema auch wieder auf :)

 Zusammenfassung

Siezen ist noch weit verbreitet, doch angesichts veränderter Kommunikationsformen ziehen immer mehr – vor allem Selbständige – einen Wechsel zum Du in Betracht. Das Thema beschäftigt viele und es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung. Wenn du einen Wechsel zum Du vorhast, hilft es dir, folgende Aspekte in deine Überlegung mit einzubeziehen:

  • Ansprache in Social Media und anderen Kommunikationskanälen
  • Ziele
  • Zielgruppe
  • Positionierung
  • Branche
  • Corporate Identity
  • eigener Wunsch

Meiner Ansicht nach wird die Du- oder Sie- Ansprache in Zukunft immer unwichtiger werden. Wer weiß, vielleicht wird das „Sie“ irgendwann ganz aus der deutschen Sprache gestrichen und es gibt wie im Englischen nur noch eine Ansprache? Hältst du das für möglich?

 

Darf gerne geteilt werden. Danke!